Jungfrauen sind die besseren Unternehmer. Was du aus der Geschichte von Virgin lernen kannst.

London 1970. Für einen gerade einmal Zwanzigjährigen beginnt ein großes Unternehmerleben. Er hat die Schule ohne Abschluss abgebrochen. Er ist Legastheniker und hatte sehr schlechte Noten in der Schule. An seinem letzten Schultag hat sein Schuldirektor zu ihm gesagt: „Entweder landest du im Gefängnis oder du wirst Millionär“. Na ja. Er kam zwar in seinem Leben öfter mit dem Gesetz in Konflikt, aber im Gefängnis landete er nicht. Millionär wurde er auch nicht. Er wurde Multimilliardär.

Wie war sein Start als Unternehmer? Er hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Geschäftsdiplome. Aber er hat eine Leidenschaft für Musik. Er steht in einem Londoner Musikladen Jahre. Er spürt die Vibration der Gitarren und hört das Wispern von Vinylplatten.

Dieser junge Mann hat eine Vision: Musik für alle zugänglich zu machen. Sein Name? Richard Branson.
Kennst du Richard Branson? Ein Mann mit langen Haaren, einem Lächeln, das Vertrauen weckt. Ein Mann, der ohne viel Schnickschnack etwas Großes aufgebaut hat. Er glaubt an Einfachheit.

Foto © David Shankbone. User:David Shankbone, 5.3.10RichardBransonByDavidShankbone, CC BY 3.0

„Komplexität ist dein Feind. Jeder Narr kann etwas kompliziert machen. Es ist schwer, etwas einfach zu machen.” – Richard Branson


Unerfahrenheit als Stärke

1970 gründete Richard Branson sein erstes Unternehmen. Zunächst ging es um den Versand von Schallplatten. Später betrieb das Unternehmen auch Plattenläden. Er hatte keinen Schulabschluss, keinen „MBA“, keine jahrelange Erfahrung. Er war eine „Jungfrau“ in der Geschäftswelt. Daher nannte er sein Unternehmen „Virgin Recordstore“.

Branson ließ sich von seiner Unerfahrenheit nicht bremsen. Er machte aus seinem vermeintlichen Manko eine Stärke: Ohne vorgefertigte Meinungen oder Vorurteile näherte er sich dem Musikgeschäft von einer ganz neuen Seite. Seine Unerfahrenheit wurde zu seiner größten Stärke. Sie ermöglichte ihm, Dinge anders zu sehen, Risiken einzugehen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Seine mangelnde Geschäftsausbildung hätten viele für ein Handicap gehalten. Aber für Branson war es ein Vorteil, nicht zu wissen, „wie man Dinge macht“. Er machte sie einfach so, wie er dachte, dass es richtig war. Er folgte keinem etablierten Pfad, weil er keinen kannte. Er hatte keine vorgefertigten Antworten. Weil er Fragen stellte, die kein anderer stellte. Und weil er nicht wusste, dass etwas „nicht geht“.

1972 gründete er die Manor Studios, ein eigenes Plattenlabel. Branson nahm den bis dahin unbekannten Mike Oldfield unter Vertrag. Oldfield nahm sein erstes Album „Tubular Bells“ in den Manor Studios auf. Das Album erschien 1973 und wurde über 5 Millionen Mal verkauft. Das war der erste finanzielle Erfolg für Richard Branson und der Grundstein für seine anderen Unternehmen.

Der Gesamtumsatz der Virgin Group, zu dem unter anderem eine Fluglinie gehört beträgt 21 Milliarden US-Dollar. Die Unternehmensgruppe beschäftigt 50.000 Mitarbeiter. Bransons privates Vermögen wurde im Oktober 2019 auf rund 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die „Jungfräulichkeit“ in der Geschäftswelt, diese blanke Unerfahrenheit, kann oft mehr Wert haben, als man denkt. Sie ermöglicht Unvoreingenommenheit. Wo andere Barrieren und Grenzen sehen, sieht der Unerfahrene Möglichkeiten. Du musst nicht alles wissen, um anzufangen. Du musst nur anfangen.

Als „Jungfrau“ hast du noch eine frische Perspektive. Wo andere den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, sieht der Neuling das große Bild und findet oft innovative Lösungen, an die erfahrene Unternehmer nicht denken würden.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie viele Dinge wir unnötig verkomplizieren? Richard Branson wird von vielen als Genie betrachtet. Aber das wahre Genie liegt oft in der Einfachheit.

Die Einfachheit in Bransons Karriere

Richard Branson begann mit einem Versandhandel für Schallplatten. Dann machte er einen kleinen Plattenladen auf. Als Branson 1972 den ersten Virgin Record Store in London eröffnete, konzentrierte er sich auf das Wesentliche: gute Musik und ein einzigartiges Kundenerlebnis. Er schuf Orte, an denen Menschen Musik hören und entdecken konnten, ohne Druck zu kaufen. Es war unkompliziert, und die Menschen liebten es. Dieser einfache Ansatz katapultierte Virgin Records an die Spitze der Musikindustrie.

Bald expandierte Virgin Records, immer mit dem gleichen, simplen Ethos: Gute Musik zu fairen Preisen. Branson vermied Komplikationen. Er glaubte daran, die Dinge einfach zu halten. Dieser Ansatz brachte Künstler wie die Sex Pistols und The Rolling Stones zu Virgin. Und das war erst der Anfang.

Branson machte keine komplizierten Geschäftsmodelle. Keine 100-seitigen Businesspläne. Er suchte nach dem Einfachen, dem Klaren. Ein Musiklabel, eine Fluggesellschaft, ein Mobilfunkanbieter. Immer ging es darum, etwas Besseres, Einfacheres für die Menschen zu schaffen.

So war es auch bei Virgin Atlantic. Während andere Fluggesellschaften sich in komplizierten Preisstrukturen und uneinheitlichen Serviceangeboten verstrickten, machte Branson es einfach. Er bot Premium-Service zu erschwinglichen Preisen. Ein klares, einfaches Versprechen, das Kunden anzog und die Marke von den Mitbewerbern abhob.

Statt sich in Kleinigkeiten zu verfangen, suchte er immer nach dem einfachsten Weg, um dem Kunden einen Mehrwert zu bieten. Dieser Fokus auf Einfachheit wurde zu einem seiner Markenzeichen – und zu einem Schlüssel für seinen außergewöhnlichen Erfolg.

Kompliziert kann jeder. Einfach ist schwer. Aber einfach ist es, was zählt. Dein Geschäft braucht nicht kompliziert zu sein. Oft ist weniger mehr.

Die Virgin-Philosophie

Das Wort „Virgin“ bedeutet Jungfrau und steht für Neuanfang und Unschuld. Für Branson war es eine ständige Erinnerung daran, immer offen und neugierig zu bleiben. Bei jedem Unternehmen, das er startete, sei es Musik, Flugreisen oder Mobilfunk, behielt er diese „jungfräuliche“ Denkweise bei. Einfachheit. Direktheit. Ehrlichkeit. Diese Einfachheit prägt Virgin bis heute. Branson hat ein Imperium geschaffen, das auf Klarheit und Authentizität setzt. Kein Schnickschnack. Einfach echter Wert.

Virgin begann 1970 als kleines Plattenlabel. Es war Bransons Reaktion auf die etablierten Musikgiganten, die, wie er fand, die Künstler und Fans im Stich ließen. Er wollte eine Alternative bieten – etwas, das sowohl den Künstlern als auch den Fans gerecht wurde. Und so, mit einem schmalen Budget und einer großen Vision, begann die Geschichte von Virgin.

Doch was genau macht die Virgin-Philosophie aus? Es sind vor allem drei Dinge:

  • Kunden an erster Stelle. Virgin hat stets den Kunden in den Mittelpunkt gestellt. Ob es darum ging, in Virgin Megastores eine entspannte Atmosphäre zu schaffen oder bei Virgin Atlantic den Flugkomfort zu revolutionieren – der Kunde war immer König.
  • Innovation durch Einfachheit. Branson hat stets nach dem direktesten, einfachsten Weg gesucht, um ein Problem zu lösen oder ein Bedürfnis zu befriedigen. Das führte zu innovativen Lösungen, die oft ganze Branchen verändert haben.
  • Mut zur Veränderung. Branson fürchtete sich nie davor, in neue Branchen einzusteigen oder alte zu verlassen. Er folgte seiner Intuition und war bereit, Risiken einzugehen. Dieser Mut zur Veränderung hat Virgin zu einem der vielseitigsten und anpassungsfähigsten Unternehmen der Welt gemacht.

Der Name „Virgin“ ist mehr als nur eine Marke. Er ist eine Philosophie, ein Leitbild. Ein Versprechen, immer unvoreingenommen, mutig und kundenorientiert zu handeln. Und genau das hat Virgin zu dem gemacht, was es heute ist.

Beharrlichkeit

Natürlich gab es Rückschläge. Welcher Unternehmer kennt das nicht? Es ist ein Irrglaube zu denken, dass Richard Branson und Virgin immer nur auf der Sonnenseite des Lebens standen. Wie jeder Unternehmer erlebte auch Branson Rückschläge und Herausforderungen. Aber Branson gab nie auf.

Mit 17 Jahren brachte Branson die Studentenzeitschrift „Student“ heraus – sein erstes unternehmerisches Projekt. Er konnte sogar renommierte Autoren wie Jean-Paul Sartre gewinnen. Trotzdem war das Magazin ein wirtschaftlicher Reinfall.

Als Branson 1984 die Fluggesellschaft Virgin Atlantic gründete, spotteten viele darüber, dass ein Plattenlabel-Besitzer eine Fluglinie führen will. Und tatsächlich waren die Anfangszeiten alles andere als rosig. British Airways versuchte, die junge Konkurrenz zu verdrängen. Virgin Atlantic Airways brachte die ganze damalige Virgin-Gruppe in finanzielle Bedrängnis. Branson musste 1992 Virgin Records an EMI-Records verkaufen – für eine Milliarde US-Dollar. Virgin Records war zu dieser Zeit zu den „Top Six“ der Musikbranche aufgestiegen.

Was können wir daraus lernen? Dass Einfachheit und Beharrlichkeit Hand in Hand gehen. Wo andere sich in Details verfangen oder von Rückschlägen demotiviert werden, blieb Branson stets seinem simplen Kernprinzip treu: Ein klares Angebot, das den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Dieser Fokus ermöglichte es ihm und Virgin, stetig zu wachsen – trotz oder gerade wegen der Einfachheit ihrer Herangehensweise.

Fazit

Branson startete als ein Außenseiter, ein Neuling in der Geschäftswelt – eine echte „Jungfrau“. Doch genau diese „Jungfräulichkeit“ wurde zu seiner Stärke. Richard Branson ist ein Vorbild. Nicht weil er perfekt ist. Sondern weil er einfach ist. Die Reise von Richard Branson und Virgin lehrt uns, dass in einer komplexen Welt, Einfachheit eine mächtige Waffe sein kann. Konzentriere dich auf klare Kernprinzipien und einfache Strategien.

Einfachheit. Beharrlichkeit. Reinheit im Denken. Das sind die Lektionen, die wir von Richard Branson lernen können. Wenn du noch wenig Erfahrung im Geschäftsleben hast, muss das kein Nachteil sein. Hab keine Angst, deinen eigenen Weg zu gehen. Einfach und unverfälscht. Wie eine Jungfrau in der Geschäftswelt.

In einer Welt voller Lärm und Komplexität kann deine einfache, klare Vision das sein, was dich aus der Masse hervorhebt und zum Erfolg führt. Also, wage es, einfach zu sein. Schreib deine eigene „Virgin“-Geschichte.

P.S.: Buchtipps

Losing My Virginity: Die Autobiografie

Finding My Virginity: Die neue Autobiografie

Geht nicht gibt’s nicht!: So wurde Richard Branson zum Überflieger. Seine Erfolgstipps für Ihr (Berufs-) Leben

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